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Mit dem Tro-Tro durch Nordghana — Laut, eng, unvergesslich


Remo Kurka - Es gibt einen Moment, kurz nachdem du in einen Tro-Tro eingestiegen bist und die Schiebetür hinter dir zugekracht ist, in dem du dich fragst: Wie viele Menschen passen eigentlich in diesen Bus? Die Antwort, die du im Laufe der Fahrt lernen wirst, lautet: immer noch einer mehr.


Ich sage das ohne Ironie. Das Tro-Tro ist das ehrlichste Verkehrsmittel, das Ghana zu bieten hat. Kein klimatisierter Reisebus mit Vorhängen, kein abgeschirmtes Taxi, das dich von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit chauffiert. Im Tro-Tro sitzt du zwischen einem Händler mit drei Hühnern zu deinen Füßen, einer Großmutter die Erdnüsse verkauft und einem Schüler der Mathematikhausaufgaben löst — während der Bus über eine Straße holpert, die der Begriff Schlagloch nur unzureichend beschreibt.


Und genau deshalb ist es das Beste, was dir in Nordghana passieren kann.

TroTro. Das ist Reisen in Nordghana, aber auch in anderen Regionen. Nicht immer bekommst du einen Platz!  Foto von Remo Kurka, Ghana

TroTro. Das ist Reisen in Nordghana, aber auch in anderen Regionen. Nicht immer bekommst du einen Platz!  Es gibt einen Moment, kurz nachdem du in einen Tro-Tro eingestiegen bist und die Schiebetür hinter dir zugekracht ist, in dem du dich fragst: Wie viele Menschen passen eigentlich in diesen Bus? Die Antwort, die du im Laufe der Fahrt lernen wirst, lautet: immer noch einer mehr. (c) Remo Kurka, Bolgatanga

Tamale — wo alles beginnt


Tamale ist das Tor zum Norden. Die Hauptstadt der Northern Region ist laut, geschäftig und voller Leben — und ihre Lorry Station ist der Knotenpunkt für alles was weiter nördlich liegt. Wenn du aus Accra oder Kumasi mit dem großen Bus ankommst, ist das hier der Ort, an dem du umsteigst.

Die Station liegt nahe der Central Market Area, und du wirst sie nicht suchen müssen — du wirst sie hören, lange bevor du sie siehst.


Die Mates — das sind die Assistenten der Fahrer, die kassieren, Gepäck verladen und lautstark ihre Ziele ausrufen — sind nicht schüchtern. "Bolga! Bolga! Bolga!" Das ist Bolgatanga. "Wa! Wa! Wa!" Das ist Wa. Du wirst schnell lernen, die Ziele herauszuhören.


Mein Tipp: Komm früh. Zwischen sechs und neun Uhr morgens ist die beste Zeit. Es ist noch nicht brutal heiß, die Tros füllen sich schneller, und du hast einen guten Teil der Fahrt hinter dir, bevor die Mittagssonne wirklich anfängt zuzuschlagen. Im Norden Ghanas meint es die Sonne sehr ernst — besonders zwischen November und März, wenn der Harmattan aus der Sahara bläst und alles in einen feinen gelben Dunst hüllt.

Ohne TroTro geht es auch mal mit dem Rad!  (c) Remo kurka, Tamale

Ohne TroTro geht es auch mal mit dem Rad! Hier ein Foto, welches ich in Salaga geschossen habe. Wurde u.a. auch im "The Guardian" in einem Druck und Zeitungs-Hauptarikel verwendet. (c) Remo Kurka, Accra

Ghana Reisen – Speisen, Kultur Tipps & Landes-Informationen

Tamale nach Bolgatanga — drei Stunden die sich lohnen


Die Strecke von Tamale nach Bolgatanga ist gut zweihundert Kilometer lang und einer der meistbefahrenen TroTro-Korridore im Norden. Der Bus fährt erst, wenn er voll ist — das ist unveränderliche ghanaische Logik, und du wirst dich damit abfinden müssen. Manchmal dauert das Warten fünf Minuten, manchmal vierzig. Bring ein Buch. Oder schau einfach zu. Auf einer ghanaischen Lorry Station gibt es immer etwas zu sehen.


Sobald der Bus fährt, entfaltet sich der Norden Ghanas vor dir auf eine Art, die man durch ein Autofenster kaum besser erleben könnte. Erst die Savanne rund um Tamale — flach, trocken, mit Baobab-Bäumen die wie hingestellt wirken. Dann, je weiter du nach Norden kommst, das sanfte Hügelland der Upper East Region. Die Landschaft wird karger, die Dörfer kleiner, die Rinderhirten auf der Straße häufiger.


Der Bus hält überall und nirgends. Wo jemand winkt, wird gehalten. Wo jemand aussteigen möchte, ruft er "I dey go!" und der Mate trommelt gegen die Karosserie. Es gibt kein Fahrtziel im westlichen Sinne — der Tro-Tro ist ein wandernder Organismus, der seinen Weg nach und nach findet.

Die Fahrt kostet zwischen zwanzig und dreißig Cedi, je nach Verhandlung und Tagesform des Mates. Touristen zahlen manchmal ein bisschen mehr — das ist die Realität, und kein Grund zur Aufregung. Bleib freundlich, lächle, und frag vorher was die Fahrt kostet. (Preise sind als 2025/2026)

Die deutschen Vorkriegsglocken (1914) vor der Katholischen Kirche, in Bolgatanga! Ja, du hast richtig Gelesen! (c) Remo Kurka, Bolga, ghana

Die deutschen Vorkriegsglocken (1914) vor der Katholischen Kirche, in Bolgatanga! Ja, du hast richtig Gelesen! Ich werde dazu noch einen extra Blogartikel schreiben! (Mit vielen weiteren Fotos!) Auf jeden Fall, das ist schon alleine eine Reise WERT! (c) Remo Kurka, Bolgatanga

Bolgatanga — und weiter nach Navrongo und Paga


Bolgatanga, das alle Ghanaer kurz "Bolga" nennen, ist die Hauptstadt der Upper East Region und einer meiner Lieblingsorte in ganz Ghana. Eine ruhige, entspannte Stadt mit einem fantastischen Markt und Menschen die eine Herzlichkeit ausstrahlen, die mich jedes Mal wieder überrascht.


Von der Bolga Station aus geht es weiter nach Navrongo und Paga — vierzig bis sechzig Minuten, acht bis fünfzehn Cedi. Paga kennst du vielleicht: das ist das Dorf mit den heiligen Krokodilen, die man anfassen darf und die das anscheinend auch wirklich in Ordnung finden. Ich war dort. Die Krokodile sind echt. Die Größe der Krokodile ist auch echt. Ich habe sie trotzdem angefasst — und es war eines der seltsamsten und gleichzeitig unvergesslichsten Dinge, die ich je in Ghana getan habe.

Paga liegt direkt an der Grenze zu Burkina Faso.


Ich werde auch noch einen "PAGA"-Artikel schreiben!


Der Grenzübergang ist offen, und wenn du neugierig bist, kannst du einen kurzen Blick nach drüben werfen. Das ist eine dieser kleinen afrikanischen Grenzszenen, die man sich nicht ausdenken kann.



Tamale nach Wa — der ruhigere Westen


Wa ist die Hauptstadt der Upper West Region und wird von Reisenden oft übersehen — zu Unrecht. Die Stadt hat eine der ältesten Moscheen Ghanas, einen wunderschönen Baulinie-Palast und eine Gelassenheit, die selbst nach ghanaischen Maßstäben außergewöhnlich ist.


Die Fahrt von Tamale nach Wa dauert vier bis fünfeinhalb Stunden und ist ein bisschen abenteuerlicher als die Strecke nach Bolga. Nicht alle Verbindungen fahren täglich direkt durch, manchmal geht es über Sawla oder Damongo — letzteres liegt direkt am Eingang zum Mole Nationalpark, was einen Zwischenstopp sehr nahelegt.


Mole ist Ghanas größtes Wildschutzgebiet und der einzige Ort im Land, wo du Elefanten in freier Wildbahn sehen kannst. Ich sage das, weil es tatsächlich passieren kann, dass du am frühen Morgen auf der Terrasse des Mole Motel frühstückst und unten am Wasserloch drei Elefanten stehen, die das offensichtlich auch wissen und sich herzlich wenig darum kümmern, dass du sie anstarrst.

Aber das ist eine andere Geschichte.



Was du mitnehmen solltest


Ich versuche, keine Packlisten zu schreiben — die kennt jeder. Aber für ein Tro-Tro im Norden gibt es drei Dinge, die ich wirklich empfehle:

Wasser. Mehr Wasser als du denkst. Die Klimaanlage im Tro-Tro ist das offene Fenster, und das hilft nur bedingt wenn es draußen 36 Grad und trocken wie Knochen ist.


Ein leichtes Tuch oder einen dünnen Schal. Gegen den Staub wenn die Straße aufhört asphaltiert zu sein, was sie auf manchen Strecken tut. Und gegen die Sonne wenn du am Fenster sitzt.

Geduld. Echte Geduld, nicht die aufgesetzte Reisebuch-Geduld. Dinge dauern in Nordghana so lange wie sie dauern.


Das Tro-Tro fährt wenn es voll ist. Die Straße ist wie sie ist. Der Händler der an der Haltestelle in Yendi einsteigt und fünf Minuten mit dem Fahrer diskutiert, diskutiert eben fünf Minuten. Das ist kein Problem. Das ist Ghana.

Wasser ist Knapp! Frauen beim Wasserholen, an einem Bohrloch-brunnen. (Tamale) Das Poster verspricht mehr Wasser.

Wasser ist Knapp! Frauen beim Wasserholen, an einem Bohrloch-brunnen. (Tamale) Das Poster verspricht mehr Wasser. Regierung von Ghana. Nun, ich habe davon noch nicht viel gesehen. Bis zum heutigem Tage nicht. Das Jahr 2026 (c) Remo Kurka, Ghana

Ein letzter Gedanke


Ich habe eine Taxifahrt von Tamale nach Bolgatanga gemacht — einmal, in einem moment der Ungeduld. Es war schneller, bequemer, und ich kann mich an nichts davon erinnern.


Die Tro-Tro-Fahrt auf der gleichen Strecke erinnere ich noch genau. Die Frau neben mir, die Yams verkaufte und mir ungefragt die halbe Familie vorstellte. Den Jungen der aus dem Fenster ragte und "Obroni! Obroni!" oder auch "Solomia" Solomia" rief wenn wir durch Dörfer fuhren. Den Moment als der Bus in einer Wolke aus rotem Staub auf der Seite der Straße stand und alle Männer ausstiegen und ohne große Worte anfingen, den Reifen zu wechseln.


Das ist der Norden Ghanas. Nicht perfekt, nicht komfortabel, aber lebendig auf eine Art, die man nicht kaufen kann.

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