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Sklavereimuseum Hedzranawo: besucht, gelobt, vergessen | Ghana-Net.net


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Sklavereimuseum Hedzranawo: besucht, gelobt, vergessen

Unter einem restaurierten Backsteinbau bei Denu liegt ein jahrhundertealtes Verlies, in dem versklavte Afrikaner festgehalten wurden. Ein ghanaischer Professor und eine deutsche Stiftung haben daraus ein Museum gemacht. Ghanas Tourismusministerin war zweimal dort, eine ausländische Hochkommissarin nannte es einen Ort, den jeder Afrikaner sehen sollte. Seitdem: fast nichts.

Von Remo Kurka · Ghana-Net.net

Eingang des Sklavereimuseums Hedzranawo, Ketu South, Volta-Region, Ghana
Der Eingang des Sklavereimuseums Hedzranawo. Foto: Hedzranawo Slavery Museum, 2026.

Ein Verlies unter dem Fußboden

Hedzranawo ist ein kleiner Ort an der Küstenstraße in Ketu South, zwischen Denu und Adafienu, nur eine kurze Fahrt von der Grenze bei Aflao entfernt. Die meisten Reisenden auf dem Weg nach Lomé fahren durch, ohne zu ahnen, was unter dem Ort liegt.

Das Museum steht in einem restaurierten Backsteinbau, der einst als europäischer Sklavenposten diente. Sein eindrücklichster Teil liegt unter der Erde: ein jahrhundertealtes Verlies, in dem versklavte Afrikaner eingesperrt wurden. Bei der Eröffnung stieg der Chief von Hedzranawo, Torgbui Sape Agbo V, über die Holztreppe hinab. Nach weniger als zwei Minuten kam er wieder herauf, kaum noch in der Lage zu atmen in der Hitze und Dunkelheit. Sein Urteil war kurz:

„Unsere Vorfahren haben gelitten.“

Über der Erde erzählen sieben Ausstellungsbereiche die Geschichte der Sklaverei in den drei Nachbarorten Hedzranawo, Adzido und Adafienu. Zu sehen sind Funde aus dem Boden: alte Schnapsflaschen, Keramikteller, Glas und Perlen, genau die Waren, gegen die an dieser Küste Menschen getauscht wurden.

Das geöffnete unterirdische Verlies im Sklavereimuseum Hedzranawo
Das Verlies unter dem Museum, geöffnet. Foto: Hedzranawo Slavery Museum.

Mehr dazu: Die Ausstellungen, mit Bildergalerie

Gebaut ohne den Staat

Dieses Museum hat nicht der ghanaische Staat gebaut. Es entstand aus Forschung, die 2018 begann: Der Archäologe Professor Wazi Apoh von der University of Ghana und sein Kollege Dr. Mark Seyram Amenyo-Xa suchten entlang der Volta-Küste nach Orten des Sklavenhandels. Was sie in diesen drei Orten fanden, überzeugte Professor Apoh, zurückzukommen.

Ab 2019 ging die Arbeit als Coastal Volta Enslaved Route Project weiter, finanziert von der Gerda Henkel Stiftung aus Düsseldorf. Studierende gruben auf dem Gelände, die Gemeinde gründete ein Projektkomitee, und am 19. Dezember 2023 öffnete das Sklavereimuseum Hedzranawo für die Öffentlichkeit. Zwei weitere Orte gehören zum Projekt: die Gedenkstätte am Sklavenmarkt Hedzranawo-Adzido und das Palast-Sklavereimuseum in Adafienu. Am Sklavenmarkt markieren Statuen und gemalte Szenen den Ort, neben den freigelegten Fundamenten eines zweiräumigen Barracoons, in dem Gefangene vor dem Verkauf festgehalten wurden.

Statuen an der Gedenkstätte Sklavenmarkt Hedzranawo-Adzido, darunter zwei Räume eines Barracoons
Gedenkstätte am Sklavenmarkt Hedzranawo-Adzido: Unter diesen Statuen liegen zwei Räume eines Barracoons. Foto: Hedzranawo Slavery Museum.

Museum: Hedzranawo Slavery Museum, Traditionelles Gebiet Somé, Ketu South, Volta-Region

Eröffnet: 19. Dezember 2023

Geöffnet: Dienstag bis Freitag 9–17 Uhr, Samstag und Sonntag 8–16 Uhr, montags geschlossen

Eintritt: ausländische Besucher 50 Cedis (Erwachsene), 30 Cedis (Studierende), 20 Cedis (Kinder) · ghanaische Besucher 20, 15 und 10 Cedis

Kontakt: P.O. Box DE 126, Denu · Telefon und WhatsApp +233 24 196 6105

Aufgebaut von: Coastal Volta Enslaved Route Project, Leitung Prof. Wazi Apoh, University of Ghana

Gefördert von: Gerda Henkel Stiftung, Düsseldorf

Website des Museums: hsm2023.com (Englisch)

Ausführlich: hedzranawo.ghana-net.net, unser deutsches Portal zum Museum

Mehr dazu: Wie das Museum entstand · Hedzranawo und der Sklavenhandel

Zweimal die Ministerin, im eigenen Wahlkreis

Im Mai 2025 begann Ghanas Ministerin für Tourismus, Kultur und Kreativwirtschaft, Abla Dzifa Gomashie, ihre erste Regionalreise in Hedzranawo. Die traditionelle Führung des Gebiets Somé empfing sie. Torgbui Sape Agbo V dankte ihr, sprach offen über die Schwierigkeiten beim Ausbau des Museums und bot Investoren ein großes Grundstück für touristische Einrichtungen an. Die Ministerin sah die Grabungsfunde und das Verlies, und offiziell hieß es, man arbeite daran, den Ort zu einem wichtigen Ziel des Kulturtourismus zu machen.

Im Oktober 2025 kam sie wieder. Ihre Delegation besuchte Fort Prinzenstein in Keta, die Avu-Lagune und das Museum in Hedzranawo. Sie beklagte die schlechten Zufahrtsstraßen und forderte die Bezirksverwaltungen auf, Mittel aus ihrem Gemeindefonds in den Tourismus zu stecken. Dann sagte sie:

„Tourismus ist nicht allein Sache der Regierung.“

Ein Detail macht das schwerer zu entschuldigen. Abla Dzifa Gomashie ist nicht nur Tourismusministerin, sie ist auch die Abgeordnete für Ketu South. Hedzranawo liegt in ihrem eigenen Wahlkreis. Eine Ministerin, die zweimal ein Sklavereimuseum in ihrem eigenen Wahlkreis besucht und es dann einem Professor, einer deutschen Stiftung und einem Dorfchief überlässt, sendet eine eigene Botschaft.

Besuch aus Namibia

Im August 2026 bereiste Namibias Hochkommissarin in Ghana, Ndiyakupi Nghituwamata, Keta, Anloga und Ketu South. Es sei ihr wichtig gewesen, die Gedenkstätte am Sklavenmarkt und die historischen Orte zu sehen, um die gemeinsame Vergangenheit Afrikas zu verstehen. Sie verglich es mit Christen, die nach Jerusalem reisen: Afrikaner müssten Orte wie das Fort in Keta, den Leuchtturm von Anloga und das Sklavereimuseum Hedzranawo besuchen, um zu erfahren, wie ihre Vorfahren vom Kontinent verschleppt wurden.

Ndiyakupi Nghituwamata, Hochkommissarin Namibias, klettert aus dem Verlies des Sklavereimuseums Hedzranawo
Ndiyakupi Nghituwamata, Hochkommissarin Namibias, klettert aus dem Verlies, August 2026. Foto: Hedzranawo Slavery Museum.

Das Museum hat ihren Besuch selbst aufgezeichnet und mir das Video geschickt. Oben siehst du das Interview, unten den Rundgang durch das Museum. Ton auf Englisch.

Besuch der namibischen Hochkommissarin Ndiyakupi Nghituwamata im Sklavereimuseum Hedzranawo. Video: Hedzranawo Slavery Museum.
Anhören: das Interview mit der Hochkommissarin als Audio (Englisch).

Eine namibische Diplomatin sprach aus, was Ghanas eigene Tourismusbehörden nicht gesagt haben: dass dies ein Ort der Pilgerschaft ist. Und Namibia weiß, wovon es spricht. Zwischen 1904 und 1908 töteten deutsche Kolonialtruppen dort Zehntausende Herero und Nama. Erst 2021 hat Deutschland das offiziell als Völkermord anerkannt.

Mehr dazu: Stimmen und Besuche, mit allen Videos

Und dann: Stille

Nach den Besuchen, den Reden und den Fotos kam nichts. Keine Werbekampagne, keine bessere Straße, kein angekündigter Haushaltsposten, kein Platz für Hedzranawo bei den großen Reparationsveranstaltungen in Accra. Das Museum macht weiter, wie es begonnen hat: getragen von einem Universitätsprofessor, einer deutschen Stiftung und einer Gemeinde, die ihr eigenes Land und ihre eigene Geschichte gegeben hat.

Meine Meinung

Ich beobachte dieses Muster seit vielen Jahren, und meine feste Überzeugung ist: Orte wie Hedzranawo und Frederiksgave, die dänische Plantage am Akuapem-Kamm, bleiben im Schatten, weil sie nicht in die Geschichte passen, die Ghanas Regierung im Ausland erzählen will. Die Reparationskampagne unter Präsident Mahama spricht von Sklaverei als etwas, das Europa Afrika angetan hat, und es ist richtig, Gerechtigkeit zu fordern. Aber Hedzranawo und Frederiksgave zeigen Sklaverei mitten in ghanaischen Gemeinden und auf ghanaischem Boden: in örtlichen Handelsposten, auf Märkten, auf Plantagenfeldern. Diese Geschichte ist komplizierter und unbequem. Sie ist aber wahr. Ein Land, das von der Welt Wiedergutmachung verlangt, sollte zuerst die Orte auf seinem eigenen Boden pflegen, die beweisen, warum Wiedergutmachung nötig ist.

Das ist meine eigene Einschätzung, gestützt auf das, was ich gesehen habe. Du darfst anderer Meinung sein, und das Ministerium ist herzlich eingeladen, mich durch Taten zu widerlegen.

Zum Hintergrund: Sklavenhandel in Ghana: die afrikanische Beteiligung · Die Wahrheit über Ghanas Küstenforts

Die Ironie mit Deutschland

Für deutsche Leser hat diese Geschichte noch eine Ebene. Ghana verhandelt derzeit mit deutschen Museen über die Rückgabe geraubter Objekte, und Professor Wazi Apoh sitzt selbst im nationalen Team Ghanas für Reparationen und Restitution. Gleichzeitig gibt es eines der wenigen neuen Sklavereimuseen, die Ghana in den letzten Jahren eröffnet hat, vor allem, weil eine deutsche Stiftung es bezahlt hat. Ihr Name steht auf der Infowand am Sklavenmarkt.

Die Frage läuft in beide Richtungen. An Deutschland: Was ist mit den Objekten, die deutsche Truppen geraubt haben, etwa der Fahne aus dem Königspalast von Yendi, die seit 1900 in Berlin liegt? Und an Ghana: Wer Objekte zurückhaben will, muss zeigen, dass er das Erbe pflegt, das schon da ist. Hedzranawo wäre ein guter Anfang.

Infowand am Sklavenmarkt mit dem Förderhinweis der Gerda Henkel Stiftung
Die Infowand am Sklavenmarkt, mit dem Förderhinweis der Gerda Henkel Stiftung aus Düsseldorf. Foto: Hedzranawo Slavery Museum.

Mehr dazu: Die Fahne von Yendi: offener Brief · Anton Wilhelm Amo

Hedzranawo besuchen

Hedzranawo liegt an der Küstenstraße in Ketu South, zwischen Denu und Adafienu, nahe der Grenze zu Togo bei Aflao. Von Accra nimmst du die Straße nach Aflao nach Osten, über Tema, über den Volta bei Sogakope und weiter Richtung Denu. Plane je nach Verkehr vier bis fünf Stunden pro Strecke ein; besser übernachtest du in der Gegend. Trotros und Busse Richtung Aflao fahren regelmäßig ab Accra, von Denu bringt dich ein Taxi in wenigen Minuten hin. Von Keta aus ist es knapp eine Stunde die Küste entlang.

Nimm Bargeld in Cedis mit, und schreib dem Museum vorher per WhatsApp, +233 24 196 6105, besonders mit einer Gruppe. Verbinde den Besuch mit der Gedenkstätte am Sklavenmarkt Adzido, dem Palastmuseum in Adafienu und Fort Prinzenstein in Keta.

Das Verlies: Der Abstieg führt über eine steile Holztreppe in einen engen, heißen und dunklen Raum. Wer unter Platzangst, Atem- oder Kreislaufproblemen leidet, bleibt besser oben. Niemand muss hinunter, um zu verstehen, was hier geschah.

Anreise, Karte und Preise

Touren: Volta-Region, Accra und die Küstenforts

Mit einer geführten Tour kommst du am einfachsten zu den Kulturerbestätten der Küste, nach Hedzranawo, zum Fort Prinzenstein in Keta und zu den Forts und Burgen zwischen Accra und Cape Coast. Die Eintrittsgelder sind im Tourpreis enthalten; Trinkgeld ist nicht inbegriffen, aber immer willkommen.

Was Hedzranawo braucht

  1. Einen Platz in Ghanas nationaler Kulturerbe-Werbung, nicht nur einen Halt auf der Reise einer Ministerin.
  2. Eine bessere Zufahrt und Beschilderung, wie die Ministerin selbst gefordert hat.
  3. Unterstützung beim Erhalt des Verlieses und der Grabungsfunde.
  4. Anerkennung neben den großen Burgen, damit Besucher die ganze Route des Handels sehen, nicht nur Cape Coast und Elmina.
  5. Dass die Versprechen vom Mai und Oktober 2025 eingelöst werden.

Wenn du helfen willst, lies, wie Besucher, Forschende und die Diaspora das Museum unterstützen können.

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Unser Portal zum Museum: hedzranawo.ghana-net.net

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Aktualisiert und geprüft: 18. Oktober 2026. Öffnungszeiten und Eintrittspreise vom Museum bestätigt. Fotos, Video und Audio mit freundlicher Genehmigung des Hedzranawo Slavery Museum. Quellen: Ghana News Agency, Ministerium für Tourismus, Kultur und Kreativwirtschaft, Modern Ghana, BusinessGhana, University of Ghana, Hedzranawo Slavery Museum.

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