Skip to main content

Vom Hunger zum Fest: Die bewegende Geschichte von Homowo Festival


Homowo - als ein Volk den Hunger auslachte


Es gibt einen Moment, den ich nie vergessen werde. Jemand steht mitten auf der Straße, nimmt eine Handvoll Essen — und wirft sie auf den Boden. Nicht aus Respektlosigkeit. Sondern aus Trotz. Aus Erinnerung. Aus Triumph.

Und dann dieses Geräusch: ein lautes, gemeinsames Rufen. Fast wie ein Spott. Fast wie Lachen.

Das ist Homowo.

Ich habe viele Feste in Ghana erlebt. Manche sind laut, manche sind königlich, manche sind tief spirituell. Aber Homowo in Accra hat etwas Eigenes. Etwas Direktes. Es ist das einzige Festival, bei dem ein ganzes Volk dem Hunger ins Gesicht lacht — und dabei gleichzeitig seine Geschichte ehrt.

Ghana, Chief, Cape Coast Festival

Festivals in Ghana - Ein Chief in Cape Coast

Accra, August, schwere Luft


Accra im August fühlt sich anders an. Die Luft ist warm, fast schwer, und trotzdem liegt eine Spannung in der Stadt. In Vierteln wie Osu, Ga Mashie, La oder Teshie beginnen die Vorbereitungen Wochen vorher. Man merkt schnell: Hier passiert gleich etwas.

Menschen kommen zusammen. Familien kehren zurück. Die Straßen füllen sich langsam mit Musik, Stimmen, Bewegung.


Homowo folgt keinem einfachen Kalenderdatum, aber es fällt meist in den August, eingebettet in die landwirtschaftliche Zeit von Aussaat und Ernte. Wenn du Accra zu dieser Zeit erlebst, spürst du sofort: Das hier ist mehr als ein Fest. Es ist Erinnerung in Bewegung.

Ghana Reisen – Speisen, Kultur Tipps & Landes-Informationen

Was du siehst, wenn du dabei bist

Der Tag beginnt ruhig. Fast zu ruhig. In vielen Häusern wird gebetet, Rituale werden vorbereitet, und es liegt etwas Ernstes in der Luft. Denn Homowo ist nicht nur Feier — es ist auch Erinnerung.

Dann kommt der Moment mit dem Kpokpoi.

Kpokpoi ist ein einfaches Gericht aus Maismehl und Palmöl, oft mit Fisch serviert. Aber an diesem Tag ist es mehr als Essen. Es wird genommen — und auf den Boden gestreut. Vor Häusern. Auf Straßen. An Schreinen.

Eine Geste, die man erst verstehen muss.


Es ist ein Opfer. Eine Erinnerung. Und gleichzeitig ein Zeichen des Sieges.

Der Ga Mantse und andere traditionelle Führer ziehen durch die Straßen, in voller Kleidung, begleitet von Trommeln und Rufen. Sie segnen Häuser — und dann kommt dieses besondere Ritual:

Das „Hooting at Hunger“.

Ein lautes, rhythmisches Rufen. Spott. Trotz. Triumph.

Ein Moment, der unter die Haut geht.



Danach: Essen, Lachen, Zusammenkommen


Und dann verändert sich die Energie.

Was eben noch ernst war, wird offen und warm. Familien kommen zusammen. Tische füllen sich. Essen wird geteilt — nicht nur innerhalb der Familie, sondern mit Nachbarn, mit Besuchern, mit Fremden.


Du wirst eingeladen, auch wenn dich niemand kennt.

Du sitzt plötzlich irgendwo, hast einen Teller in der Hand, hörst Geschichten, lachst mit Menschen, deren Namen du nicht kennst — und trotzdem fühlt es sich vertraut an.

Das ist Homowo.



Was Homowo mit mir gemacht hat


Ich erinnere mich, wie ich dort stand, mitten in Accra, umgeben von Menschen, die lachten, tanzten, riefen — und gleichzeitig eine Geschichte trugen, die so schwer war.

Und ich habe verstanden:
Das hier ist keine Verdrängung.

Das ist Stärke.


Ein Volk, das den Hunger erlebt hat — und sich entscheidet, darüber zu lachen, hat etwas begriffen, das man schwer erklären kann. Dass Erinnerung nicht lähmen muss. Dass sie auch Kraft sein kann.

Homowo sagt: Wir haben das überlebt. Und wir feiern genau das.


Praktisches für deinen Besuch


Homowo wird in verschiedenen Ga-Gemeinden in und um Accra gefeiert, vor allem in Osu, Ga Mashie, La und Teshie. Die genauen Termine können leicht variieren, liegen aber meist im August.

Wenn du dabei sein willst: Geh nicht nur zu einem Ort. Beweg dich durch die Stadt. Jede Gemeinde hat ihren eigenen Rhythmus, ihre eigene Art zu feiern.

Komm früh, bleib lange.

Und sei offen. Für Gespräche. Für Einladungen. Für das Unerwartete.



Ein letzter Gedanke


Homowo ist laut. Direkt. Echt.

Es erinnert daran, dass selbst die schwersten Zeiten Teil unserer Geschichte sind — aber nicht das Ende davon. Dass man Schmerz nicht nur still erinnern kann, sondern auch laut überwinden.

Wenn die Menschen in Accra den Hunger auslachen, dann tun sie das nicht leichtfertig.

Sie tun es, weil sie es können.

Weil sie es überlebt haben.

Und weil sie wissen, dass man manchmal genau so nach vorne geht:

Indem man zurückblickt — und trotzdem lacht.


„Ho-mo-wo“ bedeutet sinngemäß: den Hunger auslachen.

Falls ihr nach Ghana reisen möchtet, empfehlen wir DRINGEND, eine Auslandskrankenversicherung abzuschließen, da es ohne eine Versicherung TEUER werden kann. Im Falle von ernsthaften Unfällen oder Malaria ist es in jedem Fall besser, gut abgesichert zu sein. Hier ist eine Empfehlung, von der wir denken, dass sie den besten Schutz bietet und außerdem recht günstig ist: Hanse-Merkur.
Ghana von A bis Z
Über 100 Artikel – entdeckt Eure Themen.
‹
›